Drogen in Büttenwarder

Unser Büttenwarder-Fan Werner Eibich hat uns eine Geschichte geschickt, die uns beim Lesen so viel Freude gemacht hat, dass wir sie gerne hier für Euch veröffentlichen wollen. Drogen in Büttenwarder … ein interessantes Thema!

Top secret

Im Dorfkrug sitzen bei Lütt un Lütt Adsche, Brakelmann und Kuno. Die Stimmung ist gedrückt. Es geht wie häufig um ihre miese finanzielle Situation. Und Shorty drängt auf Begleichung der angehäuften Schulden. Es fallen immer wieder Worte wie “Die Landwirtschaft ist in der Krise” oder “Alles nur nutzloses Brachland”.

Ein Gast mit großer dunkler Sonnenbrille tritt ein. Niemand kennt ihn, niemand hat ihn bisher gesehen. Er fragt, ob es in diesem Dorf vielleicht Bauern mit Brachland gäbe, die dieses zu verpachten bereit wären.

Sofort springen Adsche und Brakelmann auf. Der Fremde bittet sie nach draußen, um ungestört mit ihnen sprechen zu können. Er stellt sich vor als “Dr. Friedrich Halmberg, Projektmanager am Institut für die Erforschung neuer Tabaksorten”. Sein Wunsch: Ein möglichst abgelegenes Stück Brachland zu pachten. Dort wolle er eine Versuchsanpflanzung einer neuen Sorte anlegen. Aber der möglichen Konkurrenz wegen müsse alles unbedingt streng geheim bleiben. Niemand dürfe davon etwas erfahren, niemand! Er sei bereit den beiden vierteljährlich je 100 EUR zu zahlen.

Adsche und Brakelmann sind natürlich einverstanden, fahren mit dem Fremden in dessen großem Auto zu ihrem Brachland und erhalten auch jeder gleich die 100 EUR bar auf die Hand. – Auf die Frage Adsches, wie die neue Tabaksorte denn heiße, macht der Fremde nur ein geheimnisvolles Gesicht und flüstert: “Top secret, top secret!”

Zurück im Dorfkrug fragen sie Shorty, der ja “Ausländisch” versteht, was “Top secret” bedeutet. Shorty erklärt: “Höchste Geheimhaltung, unbedingt geheim zu halten”. Auf seine neugierigen Fragen, wer der Fremde sei und was er hier in Büttenwarder gewollt habe, erhält er jedoch keine Antwort. Auch sein weiteres Drängen – nein, er ist ja nicht neugierig, möchte doch nur wissen, warum die beiden jetzt plötzlich ein so fröhliches Gesicht machen – bleibt folgenlos. “Top Secret”, erwidert Brakelmann nur abweisend, und Adsche wiederholt lächelnd: “Top secret, top secret”.

Derart gekränkt und gereizt fordert Shorty die beiden nun auf, endlich ihre Schulden zu begleichen. Sonst bräuchten sie sich bei ihm im Dorfkrug nie wieder sehen zu lassen, nie wieder! Das sei kein Spaß, er meine es absolut ernst.

Und welch ein unglaubliches Wunder: Beide ziehen (die so eben von Dr. Halmberg erhaltenen) Geldscheine aus der Tasche und bezahlen widerspruchslos die von Shorty genannten Summen. Ja, sie schieben zu seiner großen Überraschung ihm auch noch ein kleines Trinkgeld über die Theke. Und geben sogar auch noch für ihn und Kuno sowie den gerade eintretenden Bürgermeister Schönbiehl eine Runde Lütt un Lütt aus. Mit einem “Und einen guten Tag auch noch!” verlassen die beiden in einer nie gesehenen einmütigen Zufriedenheit den Dorfkrug, ratlos kopfschüttelnde Gesichter hinter sich lassend.

Adsche fährt zu Brakelmann. Beim letzen Glas Köhm aus der nun leeren Flasche beklagen beide, dass sie von Dr. Halmberg seit über drei Monaten nichts mehr gehört haben. Und dass natürlich auch das versprochene Geld nicht angekommen ist.

Adsche erwähnt, dass Onkel Krischans Geburtstag vor der Tür stehe und dieser sich wie immer Schmök wünsche. Dafür haben sie aber kein Geld.

Brakelmanns Gesicht hellt sich plötzlich auf. Adsche: “In dir arbeitet das wieder, Brakelmann!”

Brakelmann erklärt, dass man ja selber Zigaretten herstellen könne.Aus dem Tabak von Dr. Halmberg vom Brachland. Das sei nicht einmal ein Diebstahl, denn dieser sei ja nicht wie versprochen wiedergekommen, habe nicht die nächste Rate bezahlt und seine Pflanzung offensichtlich vergessen.

Gesagt, getan. Die Tabakstauden der neuen Sorte “Top secret” auf der Pflanzung von Dr. Halmberg haben sich gut entwickelt. Sie sehen allerdings anders aus als übliche Tabakpflanzen. Aber dafür hat Brakelmann eine einleuchtende Erklärung: Sie müssen genmanipoliert sein!

Von diesem Begriff ist doch im Landfunk in letzter Zeit immer wieder die Rede gewesen. Er erklärt Adsche, was das ist: Wenn man normale Samenkörner poliert, wachsen daraus Pflanzen, die manchmal ganz anders aussehen. Und je mehr man den Samen poliert, desto stärker verändert sich das Aussehen der daraus entstehnden Pflanzen. Dr. Halmberg hat wohl die Samenkörner für diese neue Sorte besonders stark poliert. Ist ja auch eine Versuchspflanzung. Und deshalb natürlich auch die strange Geheimhaltung. Oft ist das Ergebnis eines solchen Polierens der Samenkörner sogar eine deutlich bessere Sorte.

Und wenn nicht: Dieser Tabak ist für sie ja kostenlos. Und Onkel Krischan stellt mit seinen 105 Jahren wohl keine so großen Ansprüche mehr. “Einem geschenkten Gaul”, das weiss jeder in Büttenwarder, “dem guckt man nicht ins Maul.”

Schon am ersten Tag nach seinem Geburtstag ruft Onkel Krischan ganz begeistert bei Brakelmann an. Die Zigaretten wären wirklich ausgezeichnet. Er wolle auf alle Fälle mehr davon und würde sie natürlich auch bezahlen. Auch alle anderen Heimbewohner, denen er einen Schmök spendiert habe, wollten unbedingt mehr davon, natürlich auch gegen gute Bezahlung. Im Heim wäre jetzt eine ganz ausgelassene Stimmung, und alle warteten schon ungeduldig auf eine neue Lieferung.

Das Geschäft beginnt zu brummen und ist schließlich nur noch durch Arbeitsteilung zu bewältigen. Adsche holt auf seinem Mofa die Pflanzen vom Brachland und hängt die Blätter an langen Leinen zum Trocknen auf.

Brakelmann nimmt die vielen telefonischen Bestellungen auf (es liegt bereits ein großer Stapel von Zetteln vor ihm auf dem Tisch) und dreht die Zigaretten.

Und Kuno, den man inzwischen auch angeheuert hat, liefert als Kurier auf seinem mit einem Wimpel (“Top-Siegrid-Kuhrier”) geschmückten Fahrrad in Büttenwarder und umzu, ja sogar schon bis nach Klingsiehl hin, die Zigaretten aus. Stückpreis 1 EUR.

Alle drei sitzen bei Brakelmann draußen am Tisch und schwärmen von den goldenen Zeiten in der Zukunft. Sie wollen jetzt ihr gesamtes Brachland selbst mit “Top secret” anbauen. Und mit den hieraus hergestellten Zigaretten ganz Norddeutschland beliefern. Endlich der große Wurf mit Nennwert ohne Ende! D.h. gleichzeitig: Lütt un Lütt ohne Ende! – Und weil Kuno klagt, die sich immer weiter ausdehnenden Touren nicht mehr mit seinem Fahrrad bewältigen zu können, beschließt man, gleich in den nächsten Tagen von dem jetzt eingenommen Geld auch für ihn ein Mofa anzuschaffen.

Und da zu solch einem hervorragenden Produkt wie den “Top-secret-Zigaretten” auch ein entsprechend guter Werbespruch gehört (Für das Fernsehen z.B. oder als Aufdruck auf den zukünftigen Zigarettenschachteln) schlägt Brakelmann vor, gleich einen solchen zu erfinden.

Kuno, wohl in Erinnerung an seine frühen Kindheitstage, hat den ersten Geistesblitz: “Tut-tut-tut, top secret, das ist gut!”

Brakelmann wischt das zu Kunos großer Enttäuschung (mit entsprechendem Gesichtsausdruck) aber gleich vom Tisch: “Da muss was von bestens und genießen oder so drinstehen.”

Ihm selbst fällt aber auch nicht ein.

Jetzt aber kommt ganz unvermutet Adsches große Stunde. Nach einigen holprigen Versuchen hat er es gefunden: “Wer Bestes nur genießen kann, der steckt sich ‘ne Top-secret an”.

Alle sind platt, auch Adsche selbst, ob solcher ungeahnten Dichtungskünste eines bislang verkannten Genies. Nur – und hier droht der alte Zwist zwischen den beiden (meine Idee-deine Idee) wiederaufzubrechen – können sie sich nicht über ihren jeweiligen Anteil an dieser geistigen Leistung einigen.

Während sie einerseits in goldenen Zukunftsvisionen (u.a. Bau einer eigenen Zigarettenfabrik) schwelgen, andererseits aber auch ein Streit heraufzieht, bemerken sie nicht, dass sie beobachtet werden. Von einem Mann mit einem Fernglas, gut getarnt und verborgen hinter einem Busch. Der Mann macht sich Notizen und telefoniert mit einem Handy.

Gerade als die Situation zwischen Adsche und Brakelmann zu eskalieren beginnt, ertönt ein Martinshorn. Mehrerer Polizeiwagen fahren auf den Hof. Polizisten springen heraus. Die erschrockenen Adsche, Brakelmann und Kuno werden umringt. Handschellen klicken.

Der Polizeikommissar: ” Jetzt haben wir Euch! Auf frischer Tat ertappt! War ja auch nicht besonders schwierig. Habt Euch ziemlich dämlich angestellt! Wie blutige Anfänger! Fühltet Euch wohl ganz sicher hier! – – – Gleich kommt der Bürgermeister, um Euch zu identifizieren. Und dann geht es ab in den Bau.”

Adsche: “Herr Kommissar, wir wollten…“

Assistent: “Ja, ja wir wissen: Ihr wolltet auf eine ganz einfache Art und Weise reich werden!- Schämt ihr euch denn gar nicht? Habt ihr überhaupt kein Gewissen? Andere so ins Unglück zu stürzen?“

Adsche (der glaubt, wegen überteuerten Verkaufs minderwertiger Ware verhaftet worden zu sein): “Herr Kommissar, unsere Zigaretten sind zwar teurer als sonst. Das wissen wir auch. Dafür aber auch besser, wirklich viel besser. Da kann man doch auch ein bisschen mehr für nehmen. Das sind doch keine verbotenen Wucherpreise.“

Kommissar: “Ach so, ach so!“

Adsche: “Wir drei rauchen selbst zwar nicht. Nur Kuno (er zeigt auf ihn) hat einmal eine unserer Zigaretten probiert. Das war gleich zu Anfang. Da hat er dann auf einmal angefangen zu lachen. Hat immer nur gelacht. Und gesagt, dass er der König von Büttenwarder sei. Und ich sein Hofmarschall. Und Brakelmann (er zeigt auf ihn) sein Diener. Der musste ihm dann alles ans Bett bringen. Morgens das Frühstück. Und den ganzen Tag über Lütt un Lütt. Und die Stiefel musste er ihm auch putzen. Ich fand das ganz lustig und habe mit gelacht. Aber Brakelmann hat gar nicht gelacht, sondern ist fuchsteufelswild geworden. Besonders als Kuno das mit den Stiefeln sagte. Er hat Kuno gepackt und geschüttelt und angebölkt, dass er ihn gleich windelweich schlagen würde, wenn er nicht mit so’nem Scheiß aufhören würde.“

Kommissar: “So, so, und wie ging das weiter?“

Adsche: “Da hat Kuno sich tüchtig erschrocken und nichts mehr gesagt, nur noch manchmal gekichert. Auf dem Weg nach Hause ist Kuno dann mit seinem Rad gleich in der ersten Kurve in den Straßengraben gefahren, und das ganze Vorderrad war im Arsch.“

Brakelmann: “Nun haben wir uns aber wieder vertragen. So ist das nun mal mit uns. Und Kuno hat versprochen nie wieder so einen Blödsinn zu erzählen. Und dass sein Fahrrad kaputt ging, das war ja auch Strafe genug für ihn. Ist inzwischen aber wieder in Ordnung.“

Kommissar: “Interessant, interessant.“

Adsche: “Aber sonst, Herr Kommissar, sind doch alle ganz begeistert von unseren Zigaretten. Und über den Preis hat sich bisher noch niemand beschwert. Die Zigaretten sind doch auch aus einer ganz neuen Tabaksorte.“

Kommissar: “So, so! So, so! Wie heißt denn diese neue Sorte?“

Adsche: “Top secret, Herr Kommissar, top secret! Sie ist aus ganz stark polierten Samenkörnern. – Und wenn Sie wollen, können Sie selbst gleich mal eine Zigarette probieren.“

Brakelmann: “Wir lassen sie ihnen auch sogar zum halben Preis. Sozusagen als Sonderangebot, zum Einführungspreis. – Und wenn Sie auch so begeistert sind, können Sie unsere neuen Zigaretten ja bei ihren Kollegen von der Polizei weiterempfehlen. Und vielleicht auch weiterverkaufen.“

Der Kommissar hat bei diesen Worten einen knallroten Kopf bekommen. Er ist kurz davor, zu explodieren. Mit nur mühsam unterdrückter Stimme wendet er sich an seinen Assistenten: “ Hier haben wir es ganz offensichtlich mit drei überaus gewieften und mit allen Wassern gewaschenen Burschen zu tun. Durch dreistes vortäuschen von Dummheit versuchen sie, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Mit so viel Naivität, wie sie es uns weiszumachen versuchen, kann unmöglich auch nur ein einziger Mensch auf der ganzen Welt von Natur aus gesegnet sein. Selbst hier nicht in einem Dorf wie diesem Büttenwarder. – Aber denen werde ich es gleich mal zeigen. Die werden den alterfahrenen Kommissar Hansen von der Kripo Kiel noch kennenlernen. Zuerst werde ich mir jetzt den Kleinen mit der Knollennase zur Brust nehmen. – Und was soll das nur heißen: Polierter Samen? “

Assistent: “Ja, Chef, ich glaube auch, da sind uns drei ganz,ganz dicke Fische ins Netz gegangen. Top secret, top secret! – Die sprechen sogar Englisch. Das riecht ganz deutlich nach internationalen Beziehungen, wahrscheinlich sogar nach Mafia. – Wenn wir diesen hochkomplizierten Fall lösen, dann ist bestimmt eine Gehaltserhöhung für uns drin. Vielleicht sogar noch zusätzlich ein Sonderurlaub. – Übrigens, für den Chef dieser Bande halte ich den Dritten, der gar nichts sagt und nur stumm im Hintergrund bleibt (er zeigt auf Kuno). Schau dir nur sein Gesicht an! Als könne er kein Wässerchen trüben. Aber stille Wasser sind oft tief!“

Da kommt Schönbiehl mit dem Auto auf den Hof gefahren. Und hält den erschrockenen Dreien eine Standpauke wie noch nie: “Büttenwarder jetzt ein Rauschgiftnest! Oh, welche Schande! Oh, meine Karriere, meine Zukunft! Drogenbürgermeister wird man mich nennen! Wer hätte das von euch gedacht! Klug wart ihr alle Drei ja noch nie, aber so dumm, so bodenlos dumm!

Alle Beteuerungen der Verhafteten, doch lediglich Zigaretten der neuen Tabaksorte “Top secret“ verkauft zu haben, wenn auch vielleicht ein wenig überteuert, lösen nur allgemeines Kopfschütteln aus.

Da scheint die Rettung zu nahen.

Ein weiteres Polizeiauto fährt auf den Hof. Ein Mann, ebenfalls in Handschellen, wird hergeführt: Der gleiche Mann, der sie im Dorfkrug angesprochen hat. Dr. Friedrich Halmberg, Projektmanager am Institut für die Erforschung neuer Tabaksorten.

Merkwürdigerweise begrüßt ihn der Kommissar wie einen alten Bekannten: “Ach sieh an, Cannabis-Paul! Treffen wir uns nach so kurzer Zeit schon wieder? – Kein halbes Jahr aus dem Knast, und schon wieder kriminell. Und natürlich auf der gleichen Schiene! Die Katze lässt das Mausen nicht.“

Ein Polizist erklärt, dass sie den Mann auf frischer Tat beim Ernten auf den Marihuana-Feld angetroffen und festgenommen hätten. Nach anfänglichem Leugnen habe er alles gestanden, auch das er alleiniger Täter sei. Die beiden Bauern habe er als ahnungslose Hinterwäldler leicht hinters Licht führen können.

Der Kommissar und sein zunehmend enttäuschter Assistent verhören “Dr. Halmberg“, den sie fast kameradschaftlich mit “Cannabis-Paul“ anreden, sehr genau. Doch der bleibt bei seiner Aussage, keinerlei Beziehung zu den beiden Besitzern des Brachlandes zu haben, auf dem er seine “Tabakplantage“ angelegt hat.

Und an die beiden gewandt, bittet er diese sogar um Entschuldigung: “Tut mir wirklich leid, Jungs, dass ich euch einen solchen Bären aufgebunden habe. Und das ihr meinetwegen jetzt hier in Handschellen dasteht. Alles irgendwie ganz dumm gelaufen. – Aber so spielt nun manchmal das Leben. Sorry, Jungs, sorry!“

Die Theorie des Assistenten hier den Zipfel eines internationalen Drogenrings entdeckt zu haben, löst sich in Luft auf. Und damit auch die Aussicht auf Beförderung und Sonderurlaub. Wütend stapft er davon und knallt noch einmal, um seinen Frust abzulassen, mit der Autotür.

Der Kommissar befiehlt nach einigem Überlegen, den Dreien die Handschellen wieder abzunehmen. “Ihr seid frei, Dummheit kann man ja nicht bestrafen“, knurrt er und schüttelt den Kopf, “sonst müsstet ihr Lebenslänglich bekommen.“

Adsche, Brakelmann und Kuno werden jetzt die Handschellen wieder abgenommen. Die Polizisten kehren das ganze “Top secret“ auf einen Haufen und zünden es an. Die Kasse mit dem Erlös der bereits verkauften Zigaretten wird konfisziert.

Vor dem Feuer stehend, das ihre Träume vom großen Geld buchstäblich in Rauch auflöst, gelangen Adsche, Brakelmann und Kuno zu für ihre Verhältnisse tiefschürfenden philosophischen Betrachtungen. Warum am Ende doch alles gut geworden ist. Und dass die Menschen in Büttenwarder auf so’n Schiet wie “Top secret“ eigentlich gut verzichten können. Jedenfalls so lange, wie es ja bei Shorty noch Lütt un Lütt gäbe.

“Jan ist einer von uns” – Happy Birthday sagt NDR Intendant Lutz Marmor

Der sechzigste Geburtstag von Jan Fedder, das ist für mich persönlich, aber auch für den NDR ein Termin, der rot im Kalender steht, ein Tag zum Feiern. Denn Jan und der NDR, das sind zwei Partner, die „lebenslang“ miteinander haben.

Das Wort “Volksschauspieler” hat ja für manche, die damit eher Altbackenes assoziieren, eine etwas zu gemütliche Tönung. Aber gemütlich war Jan nie, und dass das Wort Volksschauspieler immer noch einen guten Klang hat, das liegt auch an ihm. An Jan Fedder der so prägnant wie kein anderer einen typischen Norddeutschen verkörpert.

Fedder “ist“ Hamburg, etwa als Polizist Dirk Matthies im “Großstadtrevier”, er “ist“ Schleswig-Holstein als Bauer Brakelmann in “Neues aus Büttenwarder”. Neben Peter Heinrich Brix spielt er da den schlitzohrigen Bauern Brakelmann, der mit allen Wassern gewaschen ist, um aus der Wirrnis des Lebens den kleinen Vorteil herauszuholen, die “Barmittel”, ohne die die Landwirtschaft nicht funktioniert. Unser Publikum liebt diese schräge, anarchische Heimatserie, die turbulente Komik mit dem ewigen Gleichmut der Provinz verbindet.

Volksschauspieler, das ist ein Ehrentitel, weil die Verehrung des Publikums nicht nur dem schauspielerischen Können gilt, sondern weil das Publikum ein ganz besonderes Vertrauen zu Jan Fedder aufgebaut hat. Jan ist “einer von uns”, nahbar, wie ein guter Freund, von dem man sich jede Geschichte anhört – eben gerade deshalb, weil er sie erzählt. Natürlich hat für uns das Jahr 1991 in diesem nun sechzigjährigen Leben eine besondere Bedeutung, denn damals besetzte Regisseur Jürgen Roland die Rolle des Hamburger Streifenpolizisten Dirk Matthies im “Großstadtrevier” mit Jan Fedder. Seitdem kommt Jan Fedder jeden Montag zu den deutschen Fernsehzuschauern ins Haus, als Ordnungshüter mit großem Herzen für die Sorgen der kleinen Leute. Dabei legt er seine Rolle niemals volks-“tümlich” an, in ihm ist etwas von der Härte des Lebens zu fühlen, er sieht mit einem unbestechlichen und realistischen Blick auf die Probleme der großen Stadt am Strom.

Besonders in den Fernsehfilmen nach Siegfried Lenz, jüngst etwa in “Arnes Nachlass”, konnte man ihn, ähnlich wie in “Das Feuerschiff” oder “Der Mann im Strom”, als einen “Bruder im Schmerz” sehen, der vor einer ungeahnten Aufgabe steht, an ihr auch scheitern kann. Auch damit schlägt er eine Brücke zu seinem Publikum, bietet nüchternen Lebensmut statt falschen Trost an.

In den letzten Jahren haben wir schmerzlich erfahren müssen, dass auch der so wetterfest wirkende Kerl Jan Fedder nicht unzerstörbar ist. Gerade in den Zeiten seiner Krankheit hat er aber durch das Publikum viel Zuspruch und Ermunterung erfahren. Alles Gute zum Geburtstag, lieber Jan Fedder, Du bist für unser Publikum ein Stück Heimat, und darauf ist dein Heimatsender auch ein bisschen stolz.

Lutz Marmor
NDR Intendant
“Jan ist einer von uns”

Zum Geburtstag der Serie, ein Gedicht von unserer Juddi…

17 Jahre froh und heiter,

Büttenwarder macht so weiter.

Von der ersten Folge an

stehe ich auf Brakelmann.

Adsche, Kuno, Schönbiehl und

logo auch auf seinen Hund.

Würd gern in Shortys Dorfkrug stehn,

bis alles tät um mich sich drehn.

Sässe in den Alten Eichen

solange wieder Schmök tät reichen.

Machte im der Dulderau

mit dem Erlentrilich viel Radau.

Würd auch in den Reitstall gehn

und dort nach Frau Meier sehn….

Alles tun was man noch tun kann,

kennt man euch von Anfang an.

Kaffee trinken mit Kunos Muddi

tät gern die Hofdichterin Juddi.

Büttenwarder das ist klar,

schaue ich noch hundert Jahr.

Liebe Grüsse ans Team

Happy Birthday Büttenwarder!

Liebe Freunde unserer Serie,

heute genau vor 17 Jahren ist die erste Folge “Neues aus Büttenwarder” im NDR Fernsehen gezeigt worden.

17 Jahre später können wir auf den großen Erfolg der kleinen, feinen Kultserie blicken!

61 Folgen sind mittlerweile entstanden und die Zahl der Fans steigt immer noch.

Ein guter Moment DANKE zu sagen. Allen, die an Büttenwarder mitgearbeitet haben, allen Darstellern, dem gesamten Team, dem Drehbuchautor, der Produktion und eben auch den Fans.

Ihr seid unsere Energie, unser Antrieb – und weil ihr genau so seid, wie Ihr seid….macht das alles so viel Freude.

Heute Lütt und Lütt auf Büttenwarder….und mögen wir alle noch viel Zeit damit verbringen dürfen!

Eure Redaktion

Büttenwarders Hofdichterin Juddi…und ihr Weihnachtsgedicht

Hört ihr da draussen vor dem Tor,

so stell ich mir das Christfest vor…

Ist die Bescherung gut geraten,

werd’ ich auf Büttenwarder warten.

Dank Würstchen und Kartoffelsalat,

da ist das Warten nicht so fad.

Es bringt mich daran zu denken,

was würd’ ich den Büttenwardern schenken…

Dem Brakelmann voller Entzücken,

möge das mit dem Nennwert glücken.

Und Adsche für den wäre fein,

die Ideen dazu die wären sein.

Und Kuno aus Bad Gandersheim,

da käme jetzt sein Vati heim.

Und Shorty, so hört man im weiten Land,

‘ne Krankheit die wird nach ihm benannt.

Für Onkel Krischan in den Alten Eichen

da tät ‘ne Packung Schmök wohl reichen.

Und Schönbiehl das ist klar,

bekommt noch viele Bürgermeisterjahr.

Meinen lieben Büttenwardern wünsch ich zum Feste,

wie immer nur das allerbeste.

Und reite fort auf Rentier Ruddi,

es grüsst die Hofdichterin Juddi.

 

Büttenwarder startet durch

Der Dezember steht ganz unter dem Motto “Büttenwarder goes Wiehnacht”. Büttenwarder feiert vom 23. Dezember bis zum 2. Januar Festspielwochen im NDR Fernsehen.

Am Montag, 1. Dezember, geht’s rund: Sie können wieder bei unserer aktuellen Umfrage mitmachen und beim Quiz mit richtig kniffligen Fragen teilnehmen. Außerdem wird aus dem kalorienfreien Adventskalender täglich online ein Türchen geöffnet. Am 8. Dezember 2014 ist es dann soweit: Die Doppelfolge “Rififi” wird in 16 Kinos im Norden gezeigt. Für dieses kulturelle Highlight können Sie auf unserer Homepage ab Montagmorgen Kino-Tickets gewinnen!

Viel Spaß!

Juddis Gedicht zum 3. Oktober

Und wieder bald ein Jahr sich neigt

man endlich Büttenwarder zeigt:

Und zwar zuerst die alten Stücke

zum Schliessen dieser Sommerlücke.

Es ist passiert so allerhand,

auch fern vom Büttenwarderland.

Ich war zur Kur, doch leider, nein,

ich durfte nicht nach Gandersheim…

Wär mir geglückt dort unter linden

Kunos Vater noch zu finden?

Es wäre auch recht schön gewesen,

in Büttenwarder zu genesen.

Drum, lieber Schönbiehl,es ist nicht schwer,

ein Kurheim muss letztendlich her.

Doch wäre dann nach einem Jahr

Büttenwarder noch so wie es war????

Tät dort mondänes Treiben gut?

die Herren fesch, die Frauen mit Hut…

Aus Shortys Kneipe würde gar

das “Le Shorty”-wie sonderbar.

Und Adsche und der Brakelmann,

die liefen rum mit soooo nem Kamm.

Stolz in der Brust so wie ein Hahn,

chauffierten Damen rum im alten Kahn.

Der Gedanke verursacht schweres Leiden,

ach, Schönbiehl, lass es lieber bleiben….

Kein Kurheim, denn das wär nur Mist

 BÜTTENWARDER MUSS BLEIBEN; SO WIE ES IST!!!!!!!!!!!!

Wem nutzt schon alles Gut und Geld,

wenn Büttenwarder auseinanderfällt?

Nur echt mit Adsche, Kuno, Kuddi

liebts nicht nur die Hofdichterin Juddi.

Drum endlich wieder Folgen her,

aus Büttenwarder, bitte sehr!

Wer weiß es?

Das ist eine Frage an alle hardcore Fans. Wer weiß von Euch, was Adsche da gerade Brakelmann zu erklären und beschreiben versucht?

Kleine Hilfe: tarup, tarup….

Die Doku in diesem Jahr

Wir haben ja noch gar nicht erzählt, was wir für eine Doku in diesem Jahr machen wollen. Den Autor kennt Ihr alle schon, aus fast allen Büttenwarder-Dokus der Vorjahre. Es ist Ulfert Becker.

Er wird dieses Mal “Die Männer von Büttenwarder” portraitieren. Das heißt, wir schauen mal, was für Männer Büttenwarder eigentlich hervorgebracht hat und wie sie sich im Lauf der Jahre in ihren Figuren entwickelt haben. Außerdem will er wissen, was unsere Darsteller sonst so machen … wo sie beruflich herkommen … wo sie hingehen, wenn sie nicht Büttenwarder drehen … und welche Bedeutung unsere kleine Serie eigentlich für sie hat.

Das alles wird, wie immer dann, an Weihnachten zu sehen sein.