Was gibt es Neues bei uns?

Liebe Freunde unserer kleinen Serie,

auch wenn Ihr aktuell wenig von uns hört, heißt das nicht, dass wir nicht fleißig arbeiten. Drei Folgen aus dem Frühjahr sind schon fertig. Und die Sommerfolgen aus dem Juli sind im Schnitt.

Also: Dieses Jahr zu Weihnachten können wir Euch mit sechs nigelnagelneuen Episoden erfreuen. Und unser Dokumentarist Ulfert ist natürlich auch mit einem Film dabei. Er hat uns das ganze Jahr über begleitet und zeigt, was es für Neuerungen und Ideen gibt.

Einen neuen Drehort haben wir nun zusätzlich … und die neuen Figuren aus dem vergangenen Jahr sind schön ins Ensemble gewachsen.

Büttenwarder-Fahnen wehen inzwischen überall durchs Land, wir werden wieder einen Jahreskalender für Euch gestalten und auch online planen wir ein paar neue Dinge.

Das schönste an alldem: es macht so viel Spaß Büttenwarder wachsen zu sehen!

Herzliche Grüße aus der Redaktion

Adsches Freunde aus Lütjensee

Büttenwarder ab jetzt im Miniaturwunderland zu bewundern, das ist eine große Freude! Fast ebensogroß war aber die Freude wieder einmal über die wunderbaren Büttenwarder-Fans.

16 Mofafahrer aus Lütjensee hatten sich in aller Früh auf den Weg gemacht, um zusammen mit Adsche das kleine Dorf zu eröffnen. Und Adsche bekam auch noch ein ganz besonderes Geschenk: Die Ehrenmitgliedschaft bei den Mofa- und Mopedfreunden Lütjensee. Für alle gab es dann noch eine gemeinsame Ehrenrunde auf den Mofas.

Von uns ein herzliches DANKE nach Lütjensee!

Frohe Ostern … als Gedicht von Juddi

Sagt liebe Leute ist es wahr,

ist vergangen schon ein Jahr,

seitdem ich mich im Traum befand,

im Büttenwarder Osterhasenland?

Wo Spass ich hatte mit Schönbiehl, Shorty, Adsche, Kurdi

und Kaffee trank mit Kunos Muddi.

Der Traum vorbei, fort von dem Kissen,

nun möchte ich es heute wissen,

passierte dort seit dem recht viel,

hat Brakelmann sinniert mit Stil?

Gefiel Adsche das Vertragen schlecht,

mit Jürgen dem alten-uuups- Kackspecht.

Und Kuno auf dem Reiterhof,

findet er es dort nicht doof?

Ach Shortys leben wär recht arm,

hätte Asthma er nun echt im Darm.

Und Onkel Krischan, fänd er’s nicht fein,

man brächte ihn nun endlich rein.

Warum lässt man ihn dort im Garten

auf Köm und Schmök so endlos warten?

Dort steht er rum wie ein Gewächs

und ist doch fast schon Hundertsechs.

Das Bienenvolk von Ingelore

sagt, summt es noch dort vor dem Tore?

Auf alle diese meine Fragen

könnt‘ Schönbiehl mir wohl antwort sagen?

Ach nein, ich mach es wie jedes Jahr –

schau nach im Fernsehn, ist doch klar.

Zum Osterfest, das wäre fein,

der NDR schöb Folgen rein.

Ganz lieb und ohne viel tamtam,

ins Osterfehrnsehfestprogramm.

Sag NDR wirst du es wagen?

Du darfst es auch im Landfunk sagen:

Es freute sich auf Schönbiehl, Shorty, Kuno, Adsche, Kurdi

nicht nur die Hofdichterin, die Juddi.

 

Eine Episodenidee aus Schweden

In der Redaktion erreichte uns Post aus Schweden. Büttenwarder-Fan Ingrid Schoas, als gebürtige Hessin in der Fremde, hat eine schöne Folgenidee aufgeschrieben. Es sei an der Zeit für eine positive Folge, schrieb sie. Wir wollen Euch natürlich daran teilhaben lassen:

Onkel Krischans Vermächtnis

Onkel Krischan ist schon weit über 100 und lebt im Altenheim. Eines Nachts geht sein Leben zu Ende. Gerlinde, die wir ja schon immer mal kennenlernen wollten,  ist zufällig in Klingsiel zu Besuch bei einer Verwandten. Sie liest die Todesanzeige und da sie Onkel Krischan kannte, beschließt sie, zur Trauerfeier nach Büttenwarder zu fahren. Dort trifft sie auf Brakelmann und Adsche und mischt die beiden ordentlich auf. Gerlinde hat reich geheiratet, aber ihr Mann ist vor einigen Jahren gestorben.

So wäre sie eine sehr gute Partie für jeden der Beiden. Es kommt zum Streit, wer die älteren Rechte an ihr hätte.

Da Onkel Krischan so lange Zeit im Altenheim gelebt hatte, reicht sein Erspartes gerade so für die Beerdigungskosten. Für Vetter Jürgen Seute und Adsche bleibt kein Geld zu erben und so hat Jürgen kein Interesse mehr und lässt sich nicht mehr blicken. Adsche muss nun alleine Onkel Krischans Zimmer im Altenheim leerräumen. Dabei findet er eine Schatulle mit einem alten Buch und darin liegt eine Zeichnung. Bei genauerem Hinsehen merkt Adsche, dass es sich dabei um einen Lageplan handelt und zwar von der Stelle, wo die Österreicher den Schatz vergraben hatten, von dem Onkel Krischan immer wieder berichtete. Onkel Krischan hatte vergessen, dass er eine Zeichnung gemacht hatte.

Die Stelle befindet sich aber auf Kurt Brakelmanns Gelände. Adsche macht sich auf den Weg zu Brakelmann. Sofort sind alle Streitereien zwischen den beiden vergessen und sie machen sich sofort daran, die besagte Stelle zu finden. Der Baum, der einst dort stand, wo Onkel Krischan das Zeichen gemacht hatte, ist in der Zwischenzeit einem Sturm zum Opfer gefallen. Deshalb konnte Krischan die Stelle auch nicht wiedererkennen. Adsche und Brakelmann fangen an zu graben, besser gesagt, Adsche gräbt und Brakelmann trägt die Verantwortung. Schon nachdem Adsche die Grasnarbe entfernt hat, kommen die ersten goldenen Schmuckstücke zum Vorschein. Der Lederbeutel ist in der Zwischenzeit verrottet. Außer dem Goldschmuck finden sich auch noch eine ganze Menge Goldmünzen.

Brakelmann weiß natürlich genau, dass alles, was in der Erde liegt, dem Staat gehört und so erzählen die Beiden, der Schatz wäre in der Scheune versteckt gewesen. Ein Antikhändler kauft ihnen alles ab und durch den hohen Goldpreis bekommen sie eine ansehnliche Summe. Damit bezahlen sie zuerst einmal ihre Bierdeckelschulden und es bleibt auch noch genug für eine ganze Weile Lütt un Lütt.

Nun findet Shorty endlich seine gute Laune wieder und behandelt die Beiden genauso zuvorkommend, wie zu Beginn der Serie.

Büttenwarder – ein großartiger Aufsatz aus universitärer Sicht

Kurz nach Weihnachten erreichte die Redaktion ein Zuschauerbrief, der so ganz aus dem Rahmen zu fallen schien. Der Uni-Dozent Dr. Markus Pohlmeyer, Freund unserer Serie, hatte sich in einem Aufsatz, erschienen im Internetfeuilleton www.culturmag.de, aus wissenschaftlichem Blickwinkel Büttenwarder genähert. Da wir uns beim Lesen so erfreut haben…möchten wir auch unsere Fans daran teilhaben lassen…an einem ganz besonderen Essay über eine ganz besondere Serie:

Apokalypsen der Moderne am Ende der Welt

oder: „Neues aus Büttenwarder“– Lokale Beispiele mit globalem Modellcharakter.

Essay und Satire, von Markus Pohlmeyer.

I Mentalitätsgeographisches

Es war einmal eine Gemeinschaft, gelegen im fernen Norden Deutschland, regiert von einem korrupten und intriganten Bürgermeister (Mitglied einer nicht näher genannten Volkspartei) – durchaus mit einem Hang zum Nepotismus; die Untertanen, pardon: die demokratisch mündigen Bürger, sind meistens verarmte Bauern; darunter ein Stallknecht und ein Gastwirt. Kuno, der Knecht, bewegt sich auf dem Bildungsniveau eines Grundschülers, und Shorty, der Wirt, ist ein mehrfaches Scheidungsopfer. Bildung wird hier konsequent demokratisch gedacht: Dummheit für alle! Die Landwirtschaft liegt am Boden. Die Infrastruktur ruiniert, ruiniert die Ökonomie. Man lebt wie auf einer einsamen Insel; schon die Versuche, beispielsweise das nächste Dorf zu erreichen, haben sich in der Vergangenheit bisweilen als unlösbare Aufgabe erwiesen. Alkohol bleibt die letzte Hoffnung: als Höhepunkt des kulturellen Lebens und als soziales Band, das alle eint, und als treuer Trost in der Krise. Jede noch so sinnreiche wie unsinnige Anstrengung, den Nennwert zu steigern (Nennwert ist ein leitmotivischer terminus technicus der Dorfbewohner und steht für Reichtum und Erfolg – das magische Wort für Hoffnung schlechthin), scheiterte über die Jahre grandios und unerbittlich.

Diese Dystopie (nein, hier wird nicht etwa auf eine Diktatur im fernen Osten angespielt) scheint lange Zeit die Real-Utopie gewisser Politiker/innen (Die Farbe der Partei spielt dabei keine Rolle!) für Schleswig-Holstein gewesen zu sein, in dem unsere Geschichte spielt. Diese Dystopie wurde dann auch vielfältig und ide(ologi)enreich umgesetzt in einem Gestus der Moderneverweigerung. Wozu brauche denn beispielsweise eine Stadt, in welcher der Autor einige Zeit leben musste, Anbindung an die Bahn? Wenn man das doch alles mit Kutschen

oder Fuhrwerken regeln könne, so ein Gerücht, so die Erklärung, warum diese Stadt heute noch so isoliert sei. (Die Hölle scheint ja auch nicht so heiß zu sein, wie man von ihr sagt.)

II Angriff der Flachbildschirme

Doch nun endlich zu unserer Geschichte, einer Episode mit dem Titel „Apparillo“ aus der Serie „Neues aus Büttenwarder“. Eines Tages gewinnt die Nr. 1 unter den einheimischen Bauern, Kurt Brakelmann, einen Flachbildschirm. Gut, denn sein alter Fernseher – mit nur einem verwackelten Programm – steht kurz davor, sich ins mediale Nirwana zu transformieren.

Adsche, Brakelmanns langjähriger Freund und Weggefährte, versucht, die Techno-Kauderwelsch-Bedienungsanleitung zu dechiffrieren und kommt zu dem Schluss, da seien „wohl auch vertrauliche Nachrichten vom Geheimdienst dabei“. Brakelmann fühlt sein soziales Prestige durch das neue Gerät ungemein gesteigert: Er spiele jetzt in einer anderen Klasse usw., und verletzt damit Adsche zutiefst, der verbittert zur Kenntnis nehmen muss, dass die Gespräche mit ihm eben nur als Überbrückung zwischen dem alten Fernseher und dem neuen dienten. Brakelmann diagnostiziert: Auch habe der Mangel an Programmen bei ihm zu einer Unausgeglichenheit geführt. (Der Flachbildschirm als Therapeut und als Medium der Erlösung!)

Eine ironische Brechung scheint allein schon dadurch gegeben, dass das hypermoderne Gerät im Stall aufgestellt wird, umgeben von Hühnern und Enten. Doch der Einbruch der Moderne eskaliert: Die Sprachprogrammierung des Flachbildschirms erweist sich als kompliziert, so sei der Name Brakelmann dem System unbekannt. Unser Landwirt wollte doch nur fernsehen, scheitert aber an der Inbetriebnahme, legt sich schlafen … und wird unvermittelt um 3 Uhr vom Weckdienst des neuen Gerätes aus dem Schlaf gerissen. Brakelmann beweist seine Medienkompetenz: Stecker raus!

Am Morgen danach versucht ein sichtlich gequälter Brakelmann, in der heimischen Gaststätte, dem Dorfkrug (unter Leitung des mehrfachen Scheidungsopfers Shorty), bei den Eingeborenen wieder Anschluss zu finden. Das müsse er tun, denn sonst fehle ihm „der soziale Kontakt zur Wirklichkeit.“ Es folgt eine grandiose Szene! Er bemerkt, dass Kuno, der Stallknecht, schon seit einer halben Stunde nur eine Seite seines heißgeliebten Killerkralle-Comics, einer Mischung aus Fantasy und Science-Fiction, anschaue, jedoch ohne umzublättern. Kuno: „Mein Heft wartet auf mich! Wenn ich nichʾ mitkommʾ, dann läuft das nichʾ weiter. Das bleibt stehen. Ich darf nur nichʾ umblättern.“ Was hier zunächst wie blanker Irrsinn wirkt, entpuppt sich als ein starkes Plädoyer für Entschleunigung und als ein heimliches Loblied auf das Lesen von Comics und Büchern, welche die charmante Eigenschaft besitzen, auf uns Leser und Leserinnen zu warten.

Brakelmann dagegen wird von seinem Flachbildschirm dominiert, getrieben, sozial entmündigt: denn plötzlich, mitten im Gespräch, vibriert der leuchtende Gürtel um seine Hüfte, den er auf Befehl des Fernsehers hat anziehen müssen; er bekommt nämlich Stromschläge, um ja nicht seine Lieblingssendung zu verpassen, und muss sofort nach Hause gehen. Brakelmann beweist wiederum seine Medienkompetenz: Stecker raus! Und den Gürtel mit einem Messer abgeschnitten und … endlich schlafen. Wieder um 3 Uhr geweckt. Ein Schrei! Brakelmann am Rande des Wahnsinns, denn der Fernseher verfügt über Solarbatterien!! Die Stimme des Fernsehers befiehlt nun die pantomimische Eingabe der gewünschten Weckzeit!!! Die Arme sollen dabei als Minuten- und Stundenanzeiger dienen!! Brakelmann vollführt willenlos die entsprechenden Bewegungen! Es sei aber zu bedenken, mahnt das Gerät, dass die Uhrzeit auch seitenverkehrt dargestellt werden müsse, „damit garantiert ist, dass Sie das Weckprogramm auch in arabischen Ländern nutzen können.“

Brakelmann rutscht in einen durch Medien überwachten, quasi-totalitären, anonymen Mini- Überwachungsstaat ab: Es geht hier aber keinesfalls um Ideologie, sondern nur noch um Ökonomie. Die Dialoge sind diskontinuierlich, weil Mensch und Maschine aneinander vorbeireden. Die Maschine spult nur ihre Programmierung ab und Brakelmann wird dahingehend absorbiert bzw. exkludiert.

Und nun folgt auf den dramatischen Höhepunkt eine Szene, die mit einer entsprechenden Sequenz in Stanley Kubricks Film-Meisterwerk „2001 – Odyssee im Weltraum“ Ähnlichkeiten aufweist. Brakelmann zerlegt Stück für Stück das Gerät, während in „2001“ ein Besatzungsmitglied Stück für Stück den das Raumschiff Discovery steuernden Supercomputer HAL abschalten muss. In beiden Fällen üben die künstlichen Geschöpfe eine totale Kontrolle über den Menschen aus. In „2001“ mordet HAL die Astronauten; in „Büttenwarder“ wird Brakelmann sozial isoliert, mutiert zum Getriebenen, wird sich selbst entfremdet. Der vermeintliche Prestige-Gewinn erweist sich als Horror und Unsinn. Der Flachbildschirm auf dem Bauernhof regiert dunkel, schwarz, wie eine drohende Gottheit der Finsternis (und imitiert so den schwarzen Monolithen aus „2001“). Der Mensch scheint diesem Dämon ausgeliefert bis zum erlösenden, befreienden Akt der (im wahrsten Sinne des Wortes) Bilderzerstörung. Die Destruktion des allmächtigen Computers und des tyrannischen Flachbildschirms erscheint als der einzige Ausweg, den Schöpfer vor seinen eigenen Schöpfungen zu bewahren.

Adsche hat Gott sei Dank den alten Fernseher gerettet, und bei einem guten Köm, das ist die einheimische Alkoholspezialität, wird der Sieg gefeiert. Als Tablett zum Servieren des Schnapses dient ein Fragment des zerstörten Flachbildschirms. Es wird der Ein-Programm-zwei-Männer-Abend geplant. Die Rückkehr zum Dialog. Die scheinbar revolutionäre Medienwende endete in einer Minikatastrophe.

III Ein akustischer Hieronymus Bosch

Die Ungleichzeitigkeit der Moderne läuft in der letzten Folge dieser Staffel mit dem Titel „Stau“ vollends aus dem Ruder. Die desaströse Straßensituation in Schleswig Holstein (Das ist Realismus pur!) führt dazu, dass für drei Tage eine Ferienverkehrsumleitung durch Büttenwarder führt. Absurdes Theater: Wer nach Südfrankreich oder in die Toskana will, muss jetzt durch Büttenwarder. Daran sei auch die halblegale Korruption des Bürgermeisters schuld; angeblich folge er, so seine Rechtfertigung, nur einer Dienstanweisung aus Berlin.

Aber man nutzt die Gunst der Stunde. Durch eine geschickt inszenierte Blockade leitet Brakelmann den Verkehr um, über sein Grundstück, und kassiert an einem Schlagbaum für eine vermeintliche Abkürzung. (Europas Grenzen werden wieder um des Nennwertes willen geschlossen.) Die Euros fließen bald in Strömen. Kuno hat sogar ein jugendliches Flötenspieltrio (zur Völkerverständigung) engagiert und am Straßenrand aufgestellt, inspiriert von der Lektüre seines letzten Killerkralle-Comics. Da würden nämlich Frauen (im Titel: Mänaden) für die Völkerverständigung kämpfen, mit Flötenspiel. (Mit Mänade wird hier ein bacchantisches Motiv eingeführt. Kuno hat aber mehr einen Blick für das sexy Design der Damen. Das passiert, wenn man Latein und Griechisch in der Schule streicht. Anmerkung des Autors.).

Der Autolärm nimmt zu. Brakelmann und Adsche können nicht mehr schlafen. Darum zieht Brakelmann die Trockenhaube seiner Mutter an. Adsche organisiert den Plattenspieler aus dem Altenheim seines Onkels, der sich mit seinen 105 Jahren immer noch im Unklaren befindet, wer denn den letzten Krieg gewonnen hat. Aber er habe für Adsche noch eine schöne Platte aus dem Krieg. Brakelmanns Küche wird nun zum Schauplatz eines grandiosen Surrealismus: er, unter der summenden Trockenhaube seiner Mutter; Kuno mit Köm (wieder ein bacchantisches Motiv!) und den drei Flöte spielenden Kindern, in nie endender Repetitionsschleife: „Country roads, take me home“; im Hintergrund der Autolärm – und dann … legt Adsche die Platte seines Onkels auf, zu hören: Maschinengewehre, Sirenen, Bomben. Bomben, Flugzeuglärm, Sirenen, Autolärm, Trockenhaube, Flöten, Maschinengewehre, Flöten, Sirenen, Trockenhaube, Flöten, Sirenen, Country roads.

Sirenebombcountryflötautomaschinetrockenhaubegewehr…

Die Mänaden des Wahnsinns! Alle Dynamik kommt zum Erliegen; die Akteure versteinen, eingefrorene Standbilder, während all der Lärm von Autos, Maschinengewehren und Sirenen, der Trockenhaube und der Flöten sich überlagern – zu einer Symphonie des Grauens. (Dem Autor kamen vor Lachen existentialistische Tränen.) Ein akustischer Hieronymus Bosch in der Welt von Dick und Doof. Die Ankunft der Moderne versinkt in Lärm und Krach.

IV Abschied von der Demokratie?

Doch die Sache ist komplizierter: „Büttenwarder“ wird eben nicht nur dystopisch, sondern auch idyllisch dargestellt. Moderneverweigerung führt zu Stillstand und produziert die Ewiggestrigen; mag sein. Der Einbruch der Moderne aber kommt wie ein Dieb, sie nimmt nämlich: Ruhe, Freundschaft und die Schönheit der Natur. Brakelmann stellt gegenüber Kuno fest, dass sie alle nur drauf zahlen würden. Der vermeintliche Gewinn, der Euro-Geldberg auf dem Küchentisch, wird zwar immer gewaltiger, schlägt aber letztlich um in einen Verlust: man hört sich und die anderen nicht mehr. Die scheinbar revolutionäre Verkehrswende eskaliert in einer Minikatastrophe. Und die Klänge des 20. Jahrhunderts sind omnipräsent: von den grauenhaften Todessirenen des Krieges bis zum ohrenbetäubenden Krach des Verkehrs. Die Country roads sind verstopft und zerstören die Natur. Es gibt keine Fluchtmöglichkeit mehr, denn Lärm ist überall. Die Völkerverständigung versinkt in babylonischer Absurdität.

Verkehr und moderne Medien schaffen ungeahnte Mobilität und Globalität. („Büttenwarder“ ist ein Dorf und gleichzeitig, allegorisch, die Welt.) Aber da gibt es im Gefolge auch eine rasante Beschleunigung: in den Stau und Stress hinein. Und vor lauter Kommunikation und ungeahnter Unterhaltungsmöglichkeiten verstummt man. Darum verwandelt sich „Büttenwarder“ zum Schluss auch in eine Gegen-Utopie: Brakelmann kappt heroisch die Drähte und damit den Kontakt zur Moderne – und genießt auf seinem verfallenden Hof mit Adsche einen Köm. Das können wir anderen nicht, wir können die Drähte nicht kappen, wir wären ‚nachhaltig‘ verloren in der (Post)Moderne. Denn an diesen Drähten hängt mittlerweile unser Leben. Brakelmann gelingt ein Akt der Freiheit – nach dem medialen und finanziellen Sündenfall. Aber lokal und global versteckt sich hinter all dem politisch korrekten Hochglanzbroschürengelaber um Medien, Verkehr und meinetwegen auch Bildung nur der Kampf von Interessen(gruppen), die archaische Schlange in den Gestalten von Gier, Macht, Hybris, Nepotismus und Korruption. Also unter der Sonne und in „Büttenwarder“ nichts Neues. Ironie bleiben und Satire als Gesten des Einspruchs, vielleicht die letzten Rückzugsgebiete von Demokratie in einer Gesellschaft, die Bildung totalökonomisiert und sich so davon verabschiedet, um den konsumwilligen, medienbewussten, rundum überwachten Kunden zu züchten.

In diesem Text wäre man auch als Mann zu lesen. „Büttenwarder“ funktioniert so gut wie ohne Frauen. Ein Wunder, dass noch keine Genderbeauftragte … Aber das bedeutete einen anderen Aufsatz.

Markus Pohlmeyer

Nachweis der (leicht veränderten) Erstveröffentlichung: Markus Pohlmeyer: l’ebbrezza della modernità. Critica semiseria sull’ apocalisse del moderno alla fine del mondo: esempi locali, caratteristiche globali, in: Il Regno – Attualità 20/2014, 727-728. Markus Pohlmeyer lehrt an der Universität Flensburg (Schwerpunkte: Religionsphilosophie; Theologie und Science Fiction).

Unsere Juddi … und ihr Gedicht zum Valentinstag

Ist Valentinstag in Büttenwarder,
hat nicht nur Adsche einen Kater.

Nun muss er an Gerlinde denken,
wie gern würd er heut Blumen schenken.

Ihr Schneeglöckchen zeigen vor dem Tor,
das käm ihm sehr erodisch vor.

Doch auch der Kurdi Brakelmann
denkt an Gerlinde dann und wann.

Und hofft sehr sehr vermessen,
sie hätte ihn noch nicht vergessen.

Doch keine Karte, keinen Kuss,
zum Valentinstage nicht mal ein Gruß.

Wünscht Kuno sich auch ne Sexyladyfeier,
er bleibt im Stall mit der Frau Meier.

Und Shorty … ach all seine Frauen,
sind doch letztendlich abgehauen.

Lockt er am Valentinstag auch kräftig
mit Damengedeck, es folgt kein Ansturm laut und heftig.

So muß er brav am Tresen stehn,
kriegt nur die Männer dort zu sehn.

Doch Schönbiehl, ja der macht es richtig,
denn Ingelore ist ihm wichtig.

Er bringt ihr Blumen mit nach Haus,
und geht am Abend mit ihr aus.

Und wenn wir dieses nun beschauen,
wo sind die Büttenwarderfrauen?

Es sind selten welche dort zu sehn …
muss ICH nach Büttenwarder gehn?

Am Valentinstag dort alle herzen,
bei Lütt un Lütt im Schein der Kerzen?

Ach nee ich bleibe doch zu Haus,
man lachte dort mich doch nur aus.

Am lautesten lachte wohl der Kurddi
über seine Hofdichterin, die Juddi…

Drogen in Büttenwarder

Unser Büttenwarder-Fan Werner Eibich hat uns eine Geschichte geschickt, die uns beim Lesen so viel Freude gemacht hat, dass wir sie gerne hier für Euch veröffentlichen wollen. Drogen in Büttenwarder … ein interessantes Thema!

Top secret

Im Dorfkrug sitzen bei Lütt un Lütt Adsche, Brakelmann und Kuno. Die Stimmung ist gedrückt. Es geht wie häufig um ihre miese finanzielle Situation. Und Shorty drängt auf Begleichung der angehäuften Schulden. Es fallen immer wieder Worte wie „Die Landwirtschaft ist in der Krise“ oder „Alles nur nutzloses Brachland“.

Ein Gast mit großer dunkler Sonnenbrille tritt ein. Niemand kennt ihn, niemand hat ihn bisher gesehen. Er fragt, ob es in diesem Dorf vielleicht Bauern mit Brachland gäbe, die dieses zu verpachten bereit wären.

Sofort springen Adsche und Brakelmann auf. Der Fremde bittet sie nach draußen, um ungestört mit ihnen sprechen zu können. Er stellt sich vor als „Dr. Friedrich Halmberg, Projektmanager am Institut für die Erforschung neuer Tabaksorten“. Sein Wunsch: Ein möglichst abgelegenes Stück Brachland zu pachten. Dort wolle er eine Versuchsanpflanzung einer neuen Sorte anlegen. Aber der möglichen Konkurrenz wegen müsse alles unbedingt streng geheim bleiben. Niemand dürfe davon etwas erfahren, niemand! Er sei bereit den beiden vierteljährlich je 100 EUR zu zahlen.

Adsche und Brakelmann sind natürlich einverstanden, fahren mit dem Fremden in dessen großem Auto zu ihrem Brachland und erhalten auch jeder gleich die 100 EUR bar auf die Hand. – Auf die Frage Adsches, wie die neue Tabaksorte denn heiße, macht der Fremde nur ein geheimnisvolles Gesicht und flüstert: „Top secret, top secret!“

Zurück im Dorfkrug fragen sie Shorty, der ja „Ausländisch“ versteht, was „Top secret“ bedeutet. Shorty erklärt: „Höchste Geheimhaltung, unbedingt geheim zu halten“. Auf seine neugierigen Fragen, wer der Fremde sei und was er hier in Büttenwarder gewollt habe, erhält er jedoch keine Antwort. Auch sein weiteres Drängen – nein, er ist ja nicht neugierig, möchte doch nur wissen, warum die beiden jetzt plötzlich ein so fröhliches Gesicht machen – bleibt folgenlos. „Top Secret“, erwidert Brakelmann nur abweisend, und Adsche wiederholt lächelnd: „Top secret, top secret“.

Derart gekränkt und gereizt fordert Shorty die beiden nun auf, endlich ihre Schulden zu begleichen. Sonst bräuchten sie sich bei ihm im Dorfkrug nie wieder sehen zu lassen, nie wieder! Das sei kein Spaß, er meine es absolut ernst.

Und welch ein unglaubliches Wunder: Beide ziehen (die so eben von Dr. Halmberg erhaltenen) Geldscheine aus der Tasche und bezahlen widerspruchslos die von Shorty genannten Summen. Ja, sie schieben zu seiner großen Überraschung ihm auch noch ein kleines Trinkgeld über die Theke. Und geben sogar auch noch für ihn und Kuno sowie den gerade eintretenden Bürgermeister Schönbiehl eine Runde Lütt un Lütt aus. Mit einem „Und einen guten Tag auch noch!“ verlassen die beiden in einer nie gesehenen einmütigen Zufriedenheit den Dorfkrug, ratlos kopfschüttelnde Gesichter hinter sich lassend.

Adsche fährt zu Brakelmann. Beim letzen Glas Köhm aus der nun leeren Flasche beklagen beide, dass sie von Dr. Halmberg seit über drei Monaten nichts mehr gehört haben. Und dass natürlich auch das versprochene Geld nicht angekommen ist.

Adsche erwähnt, dass Onkel Krischans Geburtstag vor der Tür stehe und dieser sich wie immer Schmök wünsche. Dafür haben sie aber kein Geld.

Brakelmanns Gesicht hellt sich plötzlich auf. Adsche: „In dir arbeitet das wieder, Brakelmann!“

Brakelmann erklärt, dass man ja selber Zigaretten herstellen könne.Aus dem Tabak von Dr. Halmberg vom Brachland. Das sei nicht einmal ein Diebstahl, denn dieser sei ja nicht wie versprochen wiedergekommen, habe nicht die nächste Rate bezahlt und seine Pflanzung offensichtlich vergessen.

Gesagt, getan. Die Tabakstauden der neuen Sorte „Top secret“ auf der Pflanzung von Dr. Halmberg haben sich gut entwickelt. Sie sehen allerdings anders aus als übliche Tabakpflanzen. Aber dafür hat Brakelmann eine einleuchtende Erklärung: Sie müssen genmanipoliert sein!

Von diesem Begriff ist doch im Landfunk in letzter Zeit immer wieder die Rede gewesen. Er erklärt Adsche, was das ist: Wenn man normale Samenkörner poliert, wachsen daraus Pflanzen, die manchmal ganz anders aussehen. Und je mehr man den Samen poliert, desto stärker verändert sich das Aussehen der daraus entstehnden Pflanzen. Dr. Halmberg hat wohl die Samenkörner für diese neue Sorte besonders stark poliert. Ist ja auch eine Versuchspflanzung. Und deshalb natürlich auch die strange Geheimhaltung. Oft ist das Ergebnis eines solchen Polierens der Samenkörner sogar eine deutlich bessere Sorte.

Und wenn nicht: Dieser Tabak ist für sie ja kostenlos. Und Onkel Krischan stellt mit seinen 105 Jahren wohl keine so großen Ansprüche mehr. „Einem geschenkten Gaul“, das weiss jeder in Büttenwarder, „dem guckt man nicht ins Maul.“

Schon am ersten Tag nach seinem Geburtstag ruft Onkel Krischan ganz begeistert bei Brakelmann an. Die Zigaretten wären wirklich ausgezeichnet. Er wolle auf alle Fälle mehr davon und würde sie natürlich auch bezahlen. Auch alle anderen Heimbewohner, denen er einen Schmök spendiert habe, wollten unbedingt mehr davon, natürlich auch gegen gute Bezahlung. Im Heim wäre jetzt eine ganz ausgelassene Stimmung, und alle warteten schon ungeduldig auf eine neue Lieferung.

Das Geschäft beginnt zu brummen und ist schließlich nur noch durch Arbeitsteilung zu bewältigen. Adsche holt auf seinem Mofa die Pflanzen vom Brachland und hängt die Blätter an langen Leinen zum Trocknen auf.

Brakelmann nimmt die vielen telefonischen Bestellungen auf (es liegt bereits ein großer Stapel von Zetteln vor ihm auf dem Tisch) und dreht die Zigaretten.

Und Kuno, den man inzwischen auch angeheuert hat, liefert als Kurier auf seinem mit einem Wimpel („Top-Siegrid-Kuhrier“) geschmückten Fahrrad in Büttenwarder und umzu, ja sogar schon bis nach Klingsiehl hin, die Zigaretten aus. Stückpreis 1 EUR.

Alle drei sitzen bei Brakelmann draußen am Tisch und schwärmen von den goldenen Zeiten in der Zukunft. Sie wollen jetzt ihr gesamtes Brachland selbst mit „Top secret“ anbauen. Und mit den hieraus hergestellten Zigaretten ganz Norddeutschland beliefern. Endlich der große Wurf mit Nennwert ohne Ende! D.h. gleichzeitig: Lütt un Lütt ohne Ende! – Und weil Kuno klagt, die sich immer weiter ausdehnenden Touren nicht mehr mit seinem Fahrrad bewältigen zu können, beschließt man, gleich in den nächsten Tagen von dem jetzt eingenommen Geld auch für ihn ein Mofa anzuschaffen.

Und da zu solch einem hervorragenden Produkt wie den „Top-secret-Zigaretten“ auch ein entsprechend guter Werbespruch gehört (Für das Fernsehen z.B. oder als Aufdruck auf den zukünftigen Zigarettenschachteln) schlägt Brakelmann vor, gleich einen solchen zu erfinden.

Kuno, wohl in Erinnerung an seine frühen Kindheitstage, hat den ersten Geistesblitz: „Tut-tut-tut, top secret, das ist gut!“

Brakelmann wischt das zu Kunos großer Enttäuschung (mit entsprechendem Gesichtsausdruck) aber gleich vom Tisch: „Da muss was von bestens und genießen oder so drinstehen.“

Ihm selbst fällt aber auch nicht ein.

Jetzt aber kommt ganz unvermutet Adsches große Stunde. Nach einigen holprigen Versuchen hat er es gefunden: „Wer Bestes nur genießen kann, der steckt sich ‚ne Top-secret an“.

Alle sind platt, auch Adsche selbst, ob solcher ungeahnten Dichtungskünste eines bislang verkannten Genies. Nur – und hier droht der alte Zwist zwischen den beiden (meine Idee-deine Idee) wiederaufzubrechen – können sie sich nicht über ihren jeweiligen Anteil an dieser geistigen Leistung einigen.

Während sie einerseits in goldenen Zukunftsvisionen (u.a. Bau einer eigenen Zigarettenfabrik) schwelgen, andererseits aber auch ein Streit heraufzieht, bemerken sie nicht, dass sie beobachtet werden. Von einem Mann mit einem Fernglas, gut getarnt und verborgen hinter einem Busch. Der Mann macht sich Notizen und telefoniert mit einem Handy.

Gerade als die Situation zwischen Adsche und Brakelmann zu eskalieren beginnt, ertönt ein Martinshorn. Mehrerer Polizeiwagen fahren auf den Hof. Polizisten springen heraus. Die erschrockenen Adsche, Brakelmann und Kuno werden umringt. Handschellen klicken.

Der Polizeikommissar: “ Jetzt haben wir Euch! Auf frischer Tat ertappt! War ja auch nicht besonders schwierig. Habt Euch ziemlich dämlich angestellt! Wie blutige Anfänger! Fühltet Euch wohl ganz sicher hier! – – – Gleich kommt der Bürgermeister, um Euch zu identifizieren. Und dann geht es ab in den Bau.“

Adsche: “Herr Kommissar, wir wollten…“

Assistent: “Ja, ja wir wissen: Ihr wolltet auf eine ganz einfache Art und Weise reich werden!- Schämt ihr euch denn gar nicht? Habt ihr überhaupt kein Gewissen? Andere so ins Unglück zu stürzen?“

Adsche (der glaubt, wegen überteuerten Verkaufs minderwertiger Ware verhaftet worden zu sein): “Herr Kommissar, unsere Zigaretten sind zwar teurer als sonst. Das wissen wir auch. Dafür aber auch besser, wirklich viel besser. Da kann man doch auch ein bisschen mehr für nehmen. Das sind doch keine verbotenen Wucherpreise.“

Kommissar: “Ach so, ach so!“

Adsche: “Wir drei rauchen selbst zwar nicht. Nur Kuno (er zeigt auf ihn) hat einmal eine unserer Zigaretten probiert. Das war gleich zu Anfang. Da hat er dann auf einmal angefangen zu lachen. Hat immer nur gelacht. Und gesagt, dass er der König von Büttenwarder sei. Und ich sein Hofmarschall. Und Brakelmann (er zeigt auf ihn) sein Diener. Der musste ihm dann alles ans Bett bringen. Morgens das Frühstück. Und den ganzen Tag über Lütt un Lütt. Und die Stiefel musste er ihm auch putzen. Ich fand das ganz lustig und habe mit gelacht. Aber Brakelmann hat gar nicht gelacht, sondern ist fuchsteufelswild geworden. Besonders als Kuno das mit den Stiefeln sagte. Er hat Kuno gepackt und geschüttelt und angebölkt, dass er ihn gleich windelweich schlagen würde, wenn er nicht mit so’nem Scheiß aufhören würde.“

Kommissar: “So, so, und wie ging das weiter?“

Adsche: “Da hat Kuno sich tüchtig erschrocken und nichts mehr gesagt, nur noch manchmal gekichert. Auf dem Weg nach Hause ist Kuno dann mit seinem Rad gleich in der ersten Kurve in den Straßengraben gefahren, und das ganze Vorderrad war im Arsch.“

Brakelmann: “Nun haben wir uns aber wieder vertragen. So ist das nun mal mit uns. Und Kuno hat versprochen nie wieder so einen Blödsinn zu erzählen. Und dass sein Fahrrad kaputt ging, das war ja auch Strafe genug für ihn. Ist inzwischen aber wieder in Ordnung.“

Kommissar: “Interessant, interessant.“

Adsche: “Aber sonst, Herr Kommissar, sind doch alle ganz begeistert von unseren Zigaretten. Und über den Preis hat sich bisher noch niemand beschwert. Die Zigaretten sind doch auch aus einer ganz neuen Tabaksorte.“

Kommissar: “So, so! So, so! Wie heißt denn diese neue Sorte?“

Adsche: “Top secret, Herr Kommissar, top secret! Sie ist aus ganz stark polierten Samenkörnern. – Und wenn Sie wollen, können Sie selbst gleich mal eine Zigarette probieren.“

Brakelmann: “Wir lassen sie ihnen auch sogar zum halben Preis. Sozusagen als Sonderangebot, zum Einführungspreis. – Und wenn Sie auch so begeistert sind, können Sie unsere neuen Zigaretten ja bei ihren Kollegen von der Polizei weiterempfehlen. Und vielleicht auch weiterverkaufen.“

Der Kommissar hat bei diesen Worten einen knallroten Kopf bekommen. Er ist kurz davor, zu explodieren. Mit nur mühsam unterdrückter Stimme wendet er sich an seinen Assistenten: “ Hier haben wir es ganz offensichtlich mit drei überaus gewieften und mit allen Wassern gewaschenen Burschen zu tun. Durch dreistes vortäuschen von Dummheit versuchen sie, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Mit so viel Naivität, wie sie es uns weiszumachen versuchen, kann unmöglich auch nur ein einziger Mensch auf der ganzen Welt von Natur aus gesegnet sein. Selbst hier nicht in einem Dorf wie diesem Büttenwarder. – Aber denen werde ich es gleich mal zeigen. Die werden den alterfahrenen Kommissar Hansen von der Kripo Kiel noch kennenlernen. Zuerst werde ich mir jetzt den Kleinen mit der Knollennase zur Brust nehmen. – Und was soll das nur heißen: Polierter Samen? “

Assistent: “Ja, Chef, ich glaube auch, da sind uns drei ganz,ganz dicke Fische ins Netz gegangen. Top secret, top secret! – Die sprechen sogar Englisch. Das riecht ganz deutlich nach internationalen Beziehungen, wahrscheinlich sogar nach Mafia. – Wenn wir diesen hochkomplizierten Fall lösen, dann ist bestimmt eine Gehaltserhöhung für uns drin. Vielleicht sogar noch zusätzlich ein Sonderurlaub. – Übrigens, für den Chef dieser Bande halte ich den Dritten, der gar nichts sagt und nur stumm im Hintergrund bleibt (er zeigt auf Kuno). Schau dir nur sein Gesicht an! Als könne er kein Wässerchen trüben. Aber stille Wasser sind oft tief!“

Da kommt Schönbiehl mit dem Auto auf den Hof gefahren. Und hält den erschrockenen Dreien eine Standpauke wie noch nie: “Büttenwarder jetzt ein Rauschgiftnest! Oh, welche Schande! Oh, meine Karriere, meine Zukunft! Drogenbürgermeister wird man mich nennen! Wer hätte das von euch gedacht! Klug wart ihr alle Drei ja noch nie, aber so dumm, so bodenlos dumm!

Alle Beteuerungen der Verhafteten, doch lediglich Zigaretten der neuen Tabaksorte “Top secret“ verkauft zu haben, wenn auch vielleicht ein wenig überteuert, lösen nur allgemeines Kopfschütteln aus.

Da scheint die Rettung zu nahen.

Ein weiteres Polizeiauto fährt auf den Hof. Ein Mann, ebenfalls in Handschellen, wird hergeführt: Der gleiche Mann, der sie im Dorfkrug angesprochen hat. Dr. Friedrich Halmberg, Projektmanager am Institut für die Erforschung neuer Tabaksorten.

Merkwürdigerweise begrüßt ihn der Kommissar wie einen alten Bekannten: “Ach sieh an, Cannabis-Paul! Treffen wir uns nach so kurzer Zeit schon wieder? – Kein halbes Jahr aus dem Knast, und schon wieder kriminell. Und natürlich auf der gleichen Schiene! Die Katze lässt das Mausen nicht.“

Ein Polizist erklärt, dass sie den Mann auf frischer Tat beim Ernten auf den Marihuana-Feld angetroffen und festgenommen hätten. Nach anfänglichem Leugnen habe er alles gestanden, auch das er alleiniger Täter sei. Die beiden Bauern habe er als ahnungslose Hinterwäldler leicht hinters Licht führen können.

Der Kommissar und sein zunehmend enttäuschter Assistent verhören “Dr. Halmberg“, den sie fast kameradschaftlich mit “Cannabis-Paul“ anreden, sehr genau. Doch der bleibt bei seiner Aussage, keinerlei Beziehung zu den beiden Besitzern des Brachlandes zu haben, auf dem er seine “Tabakplantage“ angelegt hat.

Und an die beiden gewandt, bittet er diese sogar um Entschuldigung: “Tut mir wirklich leid, Jungs, dass ich euch einen solchen Bären aufgebunden habe. Und das ihr meinetwegen jetzt hier in Handschellen dasteht. Alles irgendwie ganz dumm gelaufen. – Aber so spielt nun manchmal das Leben. Sorry, Jungs, sorry!“

Die Theorie des Assistenten hier den Zipfel eines internationalen Drogenrings entdeckt zu haben, löst sich in Luft auf. Und damit auch die Aussicht auf Beförderung und Sonderurlaub. Wütend stapft er davon und knallt noch einmal, um seinen Frust abzulassen, mit der Autotür.

Der Kommissar befiehlt nach einigem Überlegen, den Dreien die Handschellen wieder abzunehmen. “Ihr seid frei, Dummheit kann man ja nicht bestrafen“, knurrt er und schüttelt den Kopf, “sonst müsstet ihr Lebenslänglich bekommen.“

Adsche, Brakelmann und Kuno werden jetzt die Handschellen wieder abgenommen. Die Polizisten kehren das ganze “Top secret“ auf einen Haufen und zünden es an. Die Kasse mit dem Erlös der bereits verkauften Zigaretten wird konfisziert.

Vor dem Feuer stehend, das ihre Träume vom großen Geld buchstäblich in Rauch auflöst, gelangen Adsche, Brakelmann und Kuno zu für ihre Verhältnisse tiefschürfenden philosophischen Betrachtungen. Warum am Ende doch alles gut geworden ist. Und dass die Menschen in Büttenwarder auf so’n Schiet wie “Top secret“ eigentlich gut verzichten können. Jedenfalls so lange, wie es ja bei Shorty noch Lütt un Lütt gäbe.

„Jan ist einer von uns“ – Happy Birthday sagt NDR Intendant Lutz Marmor

Der sechzigste Geburtstag von Jan Fedder, das ist für mich persönlich, aber auch für den NDR ein Termin, der rot im Kalender steht, ein Tag zum Feiern. Denn Jan und der NDR, das sind zwei Partner, die „lebenslang“ miteinander haben.

Das Wort „Volksschauspieler“ hat ja für manche, die damit eher Altbackenes assoziieren, eine etwas zu gemütliche Tönung. Aber gemütlich war Jan nie, und dass das Wort Volksschauspieler immer noch einen guten Klang hat, das liegt auch an ihm. An Jan Fedder der so prägnant wie kein anderer einen typischen Norddeutschen verkörpert.

Fedder „ist“ Hamburg, etwa als Polizist Dirk Matthies im „Großstadtrevier“, er „ist“ Schleswig-Holstein als Bauer Brakelmann in „Neues aus Büttenwarder“. Neben Peter Heinrich Brix spielt er da den schlitzohrigen Bauern Brakelmann, der mit allen Wassern gewaschen ist, um aus der Wirrnis des Lebens den kleinen Vorteil herauszuholen, die „Barmittel“, ohne die die Landwirtschaft nicht funktioniert. Unser Publikum liebt diese schräge, anarchische Heimatserie, die turbulente Komik mit dem ewigen Gleichmut der Provinz verbindet.

Volksschauspieler, das ist ein Ehrentitel, weil die Verehrung des Publikums nicht nur dem schauspielerischen Können gilt, sondern weil das Publikum ein ganz besonderes Vertrauen zu Jan Fedder aufgebaut hat. Jan ist „einer von uns“, nahbar, wie ein guter Freund, von dem man sich jede Geschichte anhört – eben gerade deshalb, weil er sie erzählt. Natürlich hat für uns das Jahr 1991 in diesem nun sechzigjährigen Leben eine besondere Bedeutung, denn damals besetzte Regisseur Jürgen Roland die Rolle des Hamburger Streifenpolizisten Dirk Matthies im „Großstadtrevier“ mit Jan Fedder. Seitdem kommt Jan Fedder jeden Montag zu den deutschen Fernsehzuschauern ins Haus, als Ordnungshüter mit großem Herzen für die Sorgen der kleinen Leute. Dabei legt er seine Rolle niemals volks-„tümlich“ an, in ihm ist etwas von der Härte des Lebens zu fühlen, er sieht mit einem unbestechlichen und realistischen Blick auf die Probleme der großen Stadt am Strom.

Besonders in den Fernsehfilmen nach Siegfried Lenz, jüngst etwa in „Arnes Nachlass“, konnte man ihn, ähnlich wie in „Das Feuerschiff“ oder „Der Mann im Strom“, als einen „Bruder im Schmerz“ sehen, der vor einer ungeahnten Aufgabe steht, an ihr auch scheitern kann. Auch damit schlägt er eine Brücke zu seinem Publikum, bietet nüchternen Lebensmut statt falschen Trost an.

In den letzten Jahren haben wir schmerzlich erfahren müssen, dass auch der so wetterfest wirkende Kerl Jan Fedder nicht unzerstörbar ist. Gerade in den Zeiten seiner Krankheit hat er aber durch das Publikum viel Zuspruch und Ermunterung erfahren. Alles Gute zum Geburtstag, lieber Jan Fedder, Du bist für unser Publikum ein Stück Heimat, und darauf ist dein Heimatsender auch ein bisschen stolz.

Lutz Marmor
NDR Intendant
„Jan ist einer von uns“

Zum Geburtstag der Serie, ein Gedicht von unserer Juddi…

17 Jahre froh und heiter,

Büttenwarder macht so weiter.

Von der ersten Folge an

stehe ich auf Brakelmann.

Adsche, Kuno, Schönbiehl und

logo auch auf seinen Hund.

Würd gern in Shortys Dorfkrug stehn,

bis alles tät um mich sich drehn.

Sässe in den Alten Eichen

solange wieder Schmök tät reichen.

Machte im der Dulderau

mit dem Erlentrilich viel Radau.

Würd auch in den Reitstall gehn

und dort nach Frau Meier sehn….

Alles tun was man noch tun kann,

kennt man euch von Anfang an.

Kaffee trinken mit Kunos Muddi

tät gern die Hofdichterin Juddi.

Büttenwarder das ist klar,

schaue ich noch hundert Jahr.

Liebe Grüsse ans Team

Happy Birthday Büttenwarder!

Liebe Freunde unserer Serie,

heute genau vor 17 Jahren ist die erste Folge „Neues aus Büttenwarder“ im NDR Fernsehen gezeigt worden.

17 Jahre später können wir auf den großen Erfolg der kleinen, feinen Kultserie blicken!

61 Folgen sind mittlerweile entstanden und die Zahl der Fans steigt immer noch.

Ein guter Moment DANKE zu sagen. Allen, die an Büttenwarder mitgearbeitet haben, allen Darstellern, dem gesamten Team, dem Drehbuchautor, der Produktion und eben auch den Fans.

Ihr seid unsere Energie, unser Antrieb – und weil ihr genau so seid, wie Ihr seid….macht das alles so viel Freude.

Heute Lütt und Lütt auf Büttenwarder….und mögen wir alle noch viel Zeit damit verbringen dürfen!

Eure Redaktion